Standard Jack Russell Terrier 

(Jack Russell Terrier Club of Great Britain / The British Jack Russell Terrier Club)

 

Charakteristik:

Der Terrier muss ein lebhaftes, aktives und wachsames Auftreten zeigen. Er soll durch seine furchtlose und fröhliche Veranlagung beeindrucken. Man muss sich immer vor Augen halten, dass der Jack Russell Terrier ein Arbeitsterrier ist, dessen Instinkte erhalten werden müssen. Nervosität, Feigheit oder Überaggression sind unerwünscht, der Hund sollte immer voller Selbstvertrauen auftreten.

Allgemeine Erscheinung:

Ein robuster, zäher Terrier, stets aufgeweckt und einsatzbereit, Schulterhöhe zwischen 25,4 und 38,1 cm (10 - 15 Inch). Die Körperlänge steht in passender Proportion zur Höhe und bietet ein kompaktes, ausbalanciertes Bild, immer in fester, harter Kondition.

Kopf:

In gut ausbalanciertem Verhältnis zum Körper. Oberkopf flach, von mäßiger Breite zwischen den Ohren, zu den Augen hin schmaler werdend. Klarer, aber nicht überbetonter Stop. Die Länge des Fanges von der Nase zum Stop sollte etwas kürzer sein als der Abstand vom Stop zum Hinterhauptbein. Die Nase sollte schwarz sein. Die Kiefer sind kraftvoll, starkknochig und mit kräftiger Backenmuskulatur.

Augen:

Sollten mandelförmig sein, von dunkler Farbe und voller Leben und Intelligenz.

Ohren:

Kleine, V-förmig nach vorn fallend dicht am Kopf getragene Ohren von mäßiger Dicke.

Fang:

Kräftige Zähne, deren obere die unteren geringfügig überlappen.

Hals:

Klar und muskulös, von guter Länge, sich zu den Schultern allmählich verbreiternd.

Vorhand:

Schultern schräg und gut zurückgelegt, fein an der Spitze und klar mit dem Widerrist abschneidend. Die Knochen der Vorderläufe sind kräftig und gerade, weder nach innen noch nach außen drehend. Ellbogen senkrecht zum Körper, an den Seiten frei arbeitend.

Körper:

Die Brust sollte flach und schmal sein und die Vorderläufe nicht zu weit auseinander stehen, was ein athletisches, aber nicht breitbrüstiges Aussehen gibt. Als Leitfaden gilt, die Brust sollte schmal genug sein, um hinter den Schultern von zwei normal großen Händen leicht umspannt werden zu können, wenn der Terrier fit und in guter Arbeitskondition ist. 

Der Rücken ist kräftig, gerade und bietet im Vergleich zur Höhe ein ausbalanciertes Bild. Die Lendenpartie ist leicht gewölbt.

Hinterhand:

Kräftig und muskulös, fest gefügt mit guter Winkelung in Knie- und Sprunggelenk, guten Schub bietend. Von hinten gesehen müssen die Sprunggelenke gerade sein.

Pfoten:

Rund, feste Ballen, katzenartig, weder nach innen noch nach außen drehend.

Rute:

Ziemlich hoch angesetzt, aufrecht getragen und in gutem Verhältnis zur Körperlänge.

(Anm.: Die Längenangaben beziehen sich auf die kupierte Rute, in Deutschland und anderen Ländern Kupierverbot!)

Fell:

Glatthaarig, aber nicht so dünn, dass es nicht genügend Schutz gegen Witterung und Unterholz bietet. Rau- oder stock-("broken") haarig, ohne wollig zu sein.

Farbe:

Weiß sollte dominieren, mit lohfarbenen, schwarzen oder braunen Abzeichen. Gestromte Abzeichen sind nicht gestattet.

Gangwerk:

Die Bewegungen sind frei, lebhaft, gut koordiniert mit geraden Aktionen vorn wie hinten.

Bitte beachten:

Auf Ausstellungen werden die Terrier in zwei Größengruppen unterteilt: 25,4 - 30,5 cm (10-12") und 30,5 - 38,1 cm (12-15").

Alte Narben und Verletzungen, bedingt durch die Arbeit oder einen Unfall, sollten die Chancen des Terriers im Showring nicht beeinträchtigen, so lange sie seine Bewegungen oder die Brauchbarkeit zur Arbeit oder Zucht nicht beeinflussen.

Rüden müssen zwei normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

Ein Jack Russell Terrier darf keine deutlichen Merkmale irgendeiner anderen Rasse zeigen!

Jack Russell Terrier oder Parson (Jack) Russell Terrier

Was ist denn nun eigentlich der Unterschied?

Diese Frage ist wohl die häufigste, die in Zusammenhang mit dieser liebenswerten Rasse gestellt wird. Die Antworten darauf, sogar die von Züchtern und ganzen Zuchtvereinen, fallen so unterschiedlich aus, dass unter den ahnungslosen Interessenten, die sich redlich um seriöse Informationen bemühen, eigentlich keiner mehr durchblicken kann. Die häufigste, aber völlig falsche Erklärung ist, mit „Jack Russell“ seien die Kleinen Kurzbeinigen (sog. „Reiterjackies“) gemeint, mit „Parson JRT“ die Hochbeinigen. Die wahre Antwort aber liegt in der Entwicklungsgeschichte der Rasse, nicht in langen oder kurzen Beinen. 

Der Jack Russell Terrier ist keineswegs eine Neuzüchtung, wie die plötzliche Popularität vermuten ließe, sondern ein uralter Schlag von Working Terriern für die Arbeit am Fuchs unter der Erde. Kleine, tapfere Hunde, gemäß ihres Einsatzgebietes als „Terrier“ (von Terra = Erde) bezeichnet, dürfte es so lange geben wie die Fuchsjagd selbst. Die Entstehungsgeschichte nahezu aller Terrierrassen beginnt gleich, eine Zuchtauslese erfolgte anfangs ausschließlich nach Arbeitseignung.

Mit Gründung des Kennel Clubs in England und ähnlicher Rassehundeclubs weltweit nahm die Hundezucht andere Formen an. Die vorhandenen Hundeschläge wurden als Rassen erfasst, meist nach ihrem Verwendungszweck oder der Gegend in der sie am häufigsten vorkamen benannt, die ersten Standards (= Beschreibungen des idealen Erscheinungsbildes) aufgestellt, und das Ausstellungswesen begann sich zu entwickeln.

Zu jener Zeit lebte der „Hunting Parson“ John (Jack) Russell, leidenschaftlicher Jäger und Terrierkenner, namhafter Züchter von Foxterriern. Die ausführliche Geschichte kann man in jedem Buch über den nach diesem Mann benannten Terrier nachlesen, deshalb will ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Erwähnenswert ist aber, dass zu dieser Zeit eine Aufspaltung der Rasse erfolgte. Während einige Züchter nun mit einer geregelten Zucht begannen und sich bemühten, der unter dem Namen „Fox Terrier“ erfassten Rasse ein einheitlicheres, schöneres Aussehen zu geben, interessierte andere weiterhin nur die Arbeitsleistung. Zu letzteren gehörte auch John Russell, der zwar zu den Gründungsmitgliedern des Kennelclubs gehörte, seine eigenen Terrierlinien dort aber nicht registrieren ließ!

Schon bald hatte sich der Foxterrier so stark verändert, dass man dem alten „working type“ zur Unterscheidung einen neuen Namen gab. Diese Terrier nannte man fortan nach ihrem bei weitem nicht einzigen, aber wohl populärsten Züchter einfach „Jack Russell(‘s) Terrier“. Diese Rasse, angebrachter wäre wohl die Bezeichnung „Typ“, lebte unverändert weiter, fernab von der organisierten Rassehundezucht und den Showringen. Während der Foxterrier weltweite Berühmtheit erlangte, zeitweise zum Modehund wurde, blieb der Jack Russell was er immer war: ein einfacher kleiner Arbeitsterrier, gezüchtet frei nach dem Motto „hübsch ist was hübsch arbeitet“.

Obwohl er in England zu den beliebtesten Terriern überhaupt zählt, fand er, ebenso wie der Lurcher, mangels offizieller Anerkennung in nahezu keinem Hundebuch Erwähnung. Seine Anhänger wollten diese Anerkennung nicht, wollten keinen zweiten Foxterrier.

Dennoch existiert schon seit langer Zeit ein Standard, erarbeitet von erfahrenen Arbeitsterriermännern, niedergelegt vom „Jack Russell Terrier Club of Great Britain“. Doch dieser Standard ergab sich aus den für die Arbeit notwendigen Anforderungen, ist kein Showstandard, der ein unbedingt einheitliches Rassebild verlangt. Er lässt eine relativ große Bandbreite an Größen und Typen zu. Ausgestellt wurde und wird der Jack Russell auf sog. „Hunt Terrier Shows“, auf denen erfahrene Jäger und Terriermen den Körperbau der Hunde im Hinblick auf ihre Arbeitseignung beurteilen. Die Klassen werden nicht nur nach Alter und Geschlecht, sondern auch nach Haarart und Größe (10-12 und 12-15 Inch) getrennt. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass all diese Größen für die Arbeit benötigt werden, es aber relativ schwierig ist, im Körperbau korrekte Terrier unter 12 Inch (= 30,5 cm) zu züchten.

Zum Thema „Rasseanerkennung“ waren sich viele Anhänger der Rasse im Mutterland einig, aber nicht alle. 1990 wurde der „Parson Jack Russell Terrier Club“ vom Kennelclub und schließlich auch von der FCI anerkannt, der kleine Fuchsjäger als „Parson Jack Russell Terrier“ mit Standard Nr. 339 in den Kreis der Rassehunde erhoben. Der hinterlegte Standard entspricht zwar in den groben Zügen dem Originalstandard, enthält aber einige zunächst unscheinbar wirkende Änderungen. Diese in Verbindung mit der Tatsache, dass die Rasse nun von Schönheitsrichtern beurteilt wird, die bis vor kurzem nie etwas mit ihr zu tun hatten, zuweilen nicht einmal von deren Existenz wussten, führt über kurz oder lang dazu, dass sich das Rassebild nun wieder ändert. Zum größten Teil gewollt, denn wieder sind sich Zuchtverantwortliche einig, dass die Rasse einheitlicher werden müsse.

Die Geschichte wiederholt sich! Genau das, was uns aus einer Zeit vor rund 150 Jahren über die Teilung der Rasse in Fox- und Jack Russell Terrier berichtet wird, können wir im Augenblick hautnah miterleben. Durch die FCI-Anerkennung erscheint die Rasse nun in zahlreichen Hundebüchern und -zeitschriften, auch Fachbücher von recht unterschiedlicher Qualität schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch in den allermeisten Fällen wird nicht der Original-, sondern der nun mal anerkannte, aber geänderte FCI-Standard veröffentlicht. Plötzlich hält jeder das „Idealmaß“ von 33 / 35 cm und die Anmerkung „Abzeichen bevorzugt an Kopf und Rutenansatz“ für bindend. Sicher entsprechen viele Jack Russell Terrier dieser Beschreibung. Auf jeden Fall entspricht jeder standardtypische Parson JRT dem Standard für Jack Russells, ist aber nur eine Variante der ursprünglichen Vielfalt.

Bislang waren alle Zuchtbücher offen für Neueintragungen, aus denen die Zuchtbasis gebildet wird. Eine ganze Reihe Terrier wurden als „Jack Russell“ geboren und durch Aufnahme ins Register eines am FCI-Standard orientierten Clubs zum „Parson Jack Russell“ oder umgekehrt, gehören also genaugenommen beiden Rassen an. All diese Hunde stammen aus den gleichen Linien, vor 1990 wurde kein Parson Jack Russell geboren, weil es die Rasse bis dahin offiziell genauso wenig gab wie die Rasse Jack Russell!

Die Frage nach dem Unterschied beider Rassen muss also, bezogen auf die Herkunft, lauten: es gibt keinen, da es sich um ein und dieselbe Rasse handelt.

Bezogen auf die Gegenwart, vor allem aber die Zukunft, wird die Antwort eine andere sein. Denn seit der Anerkennung des Parson Jack Russell, 1999 nochmals umbenannt in „Parson Russell Terrier“, existieren wieder zwei Standards, vor allem aber zwei verschiedene Formen der Zuchtlenkung. Zum einen die herkömmliche Form in Anlehnung an den Standard des JRTCGB, der eine gewisse Bandbreite an Erscheinungsformen zulässt und nur Wert auf Arbeitseignung legt, zum anderen der offizielle FCI-Standard, der eine größere Einheitlichkeit in Größe, Form und Farbe anstrebt.

Zum Teil schon jetzt, spätestens in einigen Jahren ist die Antwort auf die eingangs gestellte Frage also: der „Parson“ ist die Showversion, die verbesserte (?), vereinheitlichte, in vielen Fällen auch vergrößerte (der Standard sieht keine obere Größengrenze vor!) Variante des Jack Russell Terriers.

Was ist denn nun besser? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten! Vielleicht, indem er sich fragt warum er sich für den Jack Russell und nicht gleich für die seit mehr als 100 Jahren vorhandene, perfekt durchzüchtete und „verbesserte“ Variante, den Foxterrier, entschieden hat?! Muss man sich wirklich Zuchtziele stellen, die viele Züchtergenerationen längst realisiert haben???

Oder: lieben wir den Jack Russell nicht gerade wegen seiner Vielfalt an Größen, Typen und Zeichnungen? Sind es nicht gerade seine nicht immer korrekt getragenen Ohren und Ruten, die seinen besonderen Charme ausmachen? Mögen wir nicht gerade die Tatsache, dass sich kaum je zwei Jackies gleichen wie ein Ei dem anderen? Wollen wir all das wirklich ändern?  

Vor allem aber ist es wohl sein einmaliger Charakter, der Selbstbewusstsein ohne übertriebene Aggression, Temperament ohne Nervosität, unglaubliche Ausdauer, Robustheit und Intelligenz gepaart mit unerschütterlichem Humor in einem so kleinen Hund vereint, der uns alle begeistert. Dieser Charakter wurde nicht durch Showkarrieren und Championtitel geschaffen!

Ich möchte an dieser Stelle den Titel eines Artikels, der vor Jahren über den Jack Russell geschrieben wurde, zitieren, denn er spricht mir und hoffentlich vielen anderen aus dem Herzen:

  „...so wie er ist sollte er bleiben dürfen!“

Eine kurze Bemerkung zum Schluss: dackelförmige, krummbeinige Hunde mit Stehohren und buntem „Mantel“ fordert keiner der Standards! Meines Wissens existiert auch kein derartiger Standard, jedenfalls nicht für Terrier mit dem Namen „Jack Russell“. Wann wird sich das wohl endlich herumgesprochen haben?

Mit freundlicher Erlaubnis vom Autor A. Heller